Arm- und Armbruch

Rosa Bartel - Dienstag, 22.9.2020

Ein 25-jähriger IT-Fachmann wurde in die unfallchirurgische Notaufnahme des St.-Josef-Hospitals der Ruhr-Universität Bochum eingewiesen. Beim Bankdrücken mit 100 kg Gewicht, laut Patient die übliche Trainingsbelastung, habe er plötzlich ein Reißen im rechten Oberarm gespürt. Er reagierte mit der Verlagerung des Gewichts auf den linken Arm, mit der gleichen Konsequenz.

Der Rettungsdienst wurde gerufen und leitete eine Analgosedierung ein. Die Verdachtsdiagnose bei Übergabe an die Unfallchirurgie lautete: Distale Bizepssehnenruptur beidseits.

Falsch gedacht!

Der junge Mann hatte sich beide Oberarmknochen gebrochen. Krepitationen und zwei eindrückliche a.p. Röntgenaufnahmen ließen keine andere Diagnose zu.

Bei solch ungewöhnlicher Koinzidenz galt es, neben der Frakturversorgung auch Ursachen für pathologische Frakturen auszuschließen. Doch Knochendichtemessung, endokrinologische Untersuchungen und die komplette empfohlene Diagnostik nach den Leitlinien des Dachverbandes für Osteologie erbrachten keinen wegweisenden Befund. Die Ursache für die doppelte Fraktur war laut den verantwortlichen Kolleg:innen schlicht eine Überbelastung der Humeri beidseits.

Neun Monate nach der operativen Versorgung gab der Patient an, “sein vorheriges Leistungsniveau wieder vollständig erreicht zu haben und keinerlei Einschränkungen mehr im Alltag zu bemerken”. 

Dass Bankdrücken Abrisse des M. pectoralis major zur Folge haben kann, v.a. ab einer Belastung von 68 kg, ist in Fachkreisen bekannt. Kompartmentsyndrome der Schulter nach Krafttraining und Stressfrakturen der lateralen Clavicula werden in der Literatur ebenfalls beschrieben. 

Die Kolleg:innen der Unfallchirurgie empfehlen bei allen Sportverletzungen mit plötzlich eintretenden Schmerzen (insb. während des Krafttrainings) eine sorgfältige sowie symptomorientierte Untersuchung und Röntgendiagnostik vorzunehmen.

Also: Vorsicht beim Kraftsport und in der Rettungsstelle! Auch gesunde, junge Körper haben eine Belastungsgrenze. Hoffen wir, dass es nicht zu oft heißt: Arm- und Armbruch!

 

Hintergrundinformationen zum Nachlesen: DOI: 10.1007/s00113-019-00713-5