Fremdkörperaspiration: Die gefährliche Erdnuss

Philippa von Schönfeld - Freitag, 11.9.2020

Kleine Gegenstände können eine große Gefahr darstellen. Was zu tun ist, wenn eine Fremdkörperaspiration zur akuten Dyspnoe führt.

Akute Luftnot stellt für Patient:innen oft ein psychisch wie auch physisch belastendes Ereignis dar. Eine resultierende Panik kann die kritische Situation noch weiter verschlechtern. Die Ursache schnell zu erkennen und unmittelbar zu handeln, ist darum umso wichtiger.

Fremdkörperaspirationen treten insb. bei Kindern zwischen 6 Monaten und 5 Jahren sowie dem geriatrischen Patientenkollektiv auf. Oftmals ist daher die Fremdanamnese wegweisend, um einen Fremdkörper als Ursache einer Atemwegssymptomatik zu identifizieren. In einer Notfallsituation kann das SAMPLE(R)-Schema helfen, alle relevanten Fragen in einer kurzen Notfallanamnese zu strukturieren. 

Die Differentialdiagnose “Fremdkörperaspiration” ist nicht zu unterschätzen. Die Liste der Risikofaktoren ist insb. für Erwachsene relevant: Neben Dysphagie, Bewusstseinsstörungen, Intoxikationen und kraniofazialen Traumata kommen iatrogene Ursachen wie z.B. zahnmedizinische Behandlungen infrage. Besonders bei subakuten und chronischen Verläufen kann der Zusammenhang zu einem vorangegangenen Aspirationsereignis fehlen. Die Sekundärsymptomatik ähnelt mit chronischem Husten und Dyspnoe rezidivierenden oder chronischen Atemwegsinfekten. Fremdkörperaspiration sollte als Differentialdiagnose also auch im weniger akuten Setting nicht außer Acht gelassen werden. 

Grundsätzlich gilt: Je größer der Fremdkörper, desto akuter sind die Symptome. Typische Fremdkörper sind dabei Nahrungsmittel, kleinere Spielzeugteile oder auch Gebrauchsgegenstände, die im Zuge einer affektiven Reaktion (z.B. beim Lachen, Weinen oder Schreien) eingeatmet statt geschluckt werden. 

Wie steht es nun um die Sofortmaßnahmen? Fremdkörperaspiration lässt an eine klassische Filmszene denken: Ein nach Luft ringender Restaurantgast, der erst durch das beherzte Eingreifen der Hauptfigur wieder zu Atem kommt. In der Primärversorgung wird dem cABCDE-Schema gefolgt. Die Inspektion der Atemwege und die Bewertung der Hustenreizeffektivität sind dem Heimlich-Manöver vorangestellt. 50% der Fremdkörperaspirationen betreffen allerdings Kinder zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr – damit wirkt das Szenario des schlingenden Restaurantgastes nicht mehr so repräsentativ. Bei kleinen Kindern ist als Akutmaßnahme die Lagerung in Kopftief- und Bauchlage empfohlen. Dosierte Schläge auf den Rücken bei stabilisiertem Kopf helfen dann, den Fremdkörper zu mobilisieren. Eine wichtige Erstmaßnahme, denn die Mortalität von Kindern als Folge einer Fremdkörperaspiration beträgt hierzulande bis zu 4%.

Ob bei großen oder kleinen Menschen, die schnellstmögliche Entfernung des Fremdkörpers hat höchste Priorität. Wenn dies innerhalb von 24 Stunden und unter erhaltener Oxygenierung geschieht, sind keine bleibenden Schäden oder Komplikationen zu erwarten. Tatkräftiges Handeln ist also erwünscht – nicht nur am Filmset.

 

Mehr Informationen zum Management bei bewusstlosen Patient:innen und im klinischen Setting sowie Illustrationen zu den Sofortmaßnahmen sind im AMBOSS-Kapitel Fremdkörperaspiration aufgeführt. Die Inhalte zu SAMPLE(R)- und cABCDE-Schema finden sich im Kapitel Notfallmanagement – grundlegende Prinzipien.

Quellen: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/001-031l_S2k_Fremdk%C3%B6rperversorgung_Kinder_2016-01.pdf