Demenzen – mehr als nur Alzheimer

Philippa von Schönfeld - Sonntag, 26.9.2021
Eine alte Hand puzzelt einen Kopf zusammen.

Demenzen sind weltweit auf dem Vormarsch – umso wichtiger werden Prävention, Früherkennung und Differentialdiagnostik. 

In Deutschland leben rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Hochrechnungen zufolge wird diese Zahl bis zum Jahr 2050 auf bis zu 2,8 Millionen ansteigen. Der Kontakt mit Demenzkranken wird also mehr und mehr zum ärztlichen Alltag gehören – in allen Fachrichtungen. “Wir müssen uns damit beschäftigen”, sagt PD Dr. Jan Jungehülsing im AMBOSS-Podcast. Der Neurologe ist Chefarzt am Jüdischen Krankenhaus in Berlin und sieht die Gesellschaft sowie Ärztinnen und Ärzte gleichermaßen in der Verantwortung.

Auch die WHO kritisiert fehlende Strategien zum Umgang mit Demenz und fordert mehr Forschung und mehr Prävention, um die globale Herausforderung zu bewältigen. Der aktuelle Global Status Report der WHO beurteilt die Lage anhand der Ziele des Global Action Plan. Dieser verfolgt die Vision, Demenz vorzubeugen und Erkrankten wie Versorgenden Respekt, Autonomie und Gleichberechtigung zu verschaffen.

Doch das vorrangige Ziel, die Krankheit und ihre Folgen einzudämmen, scheint angesichts steigender Zahlen nicht gerade greifbar: Aktuell sind über 55 Millionen Menschen weltweit an Demenz erkrankt und in den nächsten 30 Jahren könnte sich diese Zahl mehr als verdoppeln. Damit steigen auch die Kosten: Demenzen fordern finanzielle Ressourcen, Unabhängigkeit und Menschenleben. 2019 starben 1,6 Millionen Menschen auf Grund von Demenz, der weltweit siebthäufigsten Todesursache. Immer mehr Menschen verlieren Angehörige an Demenz – oft schon, bevor diese sterben. WHO-Generaldirektor Tedros fasst es so zusammen: “Demenz beraubt Millionen von Betroffenen ihrer Erinnerung, ihrer Unabhängigkeit und ihrer Würde – und dem Rest von uns raubt sie die Menschen, die wir kennen und lieben.”

Ärztliche Vertrauenspersonen sollten über Risikofaktoren aufklären und sie frühzeitig erkennen. Neben genetischen Komponenten steigert etwa ein ungesunder Lebensstil mit einseitiger Ernährung und wenig Sport sowie Tabak- und Alkoholkonsum das Risiko für Demenz. Auch Komorbiditäten wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Depression können eine Demenzentwicklung begünstigen. Präventiv wirken hingegen soziale und kognitive Aktivitäten.

Obwohl Demenzen immer häufiger werden, je älter die Menschen werden, sind sie keine unabwendbare Erscheinung des Alters. Wenn Angehörige oder Betroffene von Gedächtnisstörungen berichten, sollte das aufhorchen lassen. Warum darauf eine ausführliche Differentialdiagnostik und Anamnese folgen sollte, besprechen wir in unserem Podcast mit PD Dr. Jan Jungehülsing. Außerdem finden wir Antworten auf die Fragen: Wie nähere ich mich der Diagnose Demenz? Welche Untersuchungen kann ich auch leisten, ohne Neurologin oder Neurologe zu sein? Und wie kommuniziere ich am besten mit Betroffenen und ihren Angehörigen? Außerdem verrät uns PD Dr. Jan Jungehülsing, warum eine gute Beziehung zu  Betroffenen und Angehörigen auch für therapeutische Maßnahmen essentiell ist – und warum er allen dazu raten würde, Tischtennis zu spielen.

 

 Das Expertengespräch mit PD Dr. Jungehülsing zum Thema Demenz  ist in unserer Podcastbibliothek zu finden. Relevante Inhalte zum Thema gibt es außerdem in den AMBOSS-Kapiteln Demenz, vaskuläre Demenz, Morbus Alzheimer und frontotemporale Demenz.

Weitere Informationen bieten das Bundesgesundheitsministerium und die WHO. Eine Plattform, um Wissen und Forschungsergebnisse zum Thema auszutauschen, ist die Global Dementia Observatory.