Eisensubstitution im Podcast

Rosa Bartel - Dienstag, 8.9.2020

Über Forschung und verschiedene Interessen. Und warum man manchmal genauer hinsehen sollte.

Eisenmangel betrifft ungefähr ein Drittel der Weltbevölkerung und ist damit die häufigste Ernährungsstörung weltweit. Die Ursachen sind vielfältig, lassen sich aber allesamt in drei Kategorien einteilen: Erhöhter Verlust (bspw. Blutungen), verminderte Aufnahme (bspw. Fehlernährung) oder eine Eisenverwertungsstörung infolge chronischer Erkrankungen (z.B. HFrEF).  

Für viele Ärztinnen und Ärzte gehört orale und/oder intravenöse Eisensubstitution zum Tagesgeschäft. Häufig leiden die Patient:innen allerdings unter den Nebenwirkungen der gängigen oralen Eisentherapie. Bei anderen Patient:innengruppen (bspw. mit Morbus Crohn) ist die orale Eisentherapie nicht effektiv, da nicht genug Eisen aus dem Dünndarm resorbiert wird. Daher ist nicht verwunderlich, dass die Suche nach suffizienten und effektiven Behandlungsschemata fortlaufend Gegenstand intensiver Forschung ist.

In diesem Zusammenhang sind u.a. die Benefits des intravenösen Ausgleichs von Eisenmangel bei herzinsuffizienten Patient:innen in den Fokus gerückt. Erste Studien suggerieren nicht nur kurz- und mittelfristige Verbesserungen der Lebensqualität, eine noch laufende Studie schürt die Hoffnung auf ebenso erfreuliche Ergebnisse auch in Bezug auf Mortalität und Hospitalisierungsraten. Ein Aspekt, der auch aus gesundheitsökonomischer Sicht von Bedeutung ist. Schließlich sind Krankenhausaufnahmen aufgrund kardialer Dekompensationen einer der größten Kostenfaktoren in der stationären Behandlung. 

Auch eine unerwünschte Arzneimittelwirkung der intravenösen Eisensubstitution mit dem Wirkstoff Ferrocarboxymaltose (FCM) stand in den letzten Jahren im Mittelpunkt der klinischen Forschung - die Hypophosphatämie. Auffällig häufig werden die Hypophosphatämien jedoch in Studien untersucht, in denen die Anbieter neuerer Konkurrenzprodukte zumindest einen Teil der Finanzierung übernehmen. Da stellt sich natürlich direkt die Frage nach der Neutralität der Studienergebnisse. Letztlich konnte bis dato nie eine klinische Relevanz einer passageren Hypophosphatämie nach FCM aufgezeigt werden.

Angesichts der intensiven Forschung ist es als Mediziner:in beizeiten nicht einfach, einen klaren Überblick über den Stand der Dinge im Bereich der Eisensubstitution zu behalten. Warum man unter dem Licht des bisher Gesagten gelegentlich genauer hinschauen und sich manchmal schlicht über den Nutzen neuer Erkenntnisse freuen sollte, erklärt und beleuchtet unsere Podcastfolge: “Eisensubstitution - Studienerkenntnisse und offene Fragen”.

 

Weitere Informationen zum Podcast und relevanten AMBOSS-Inhalten: Eisenmangel und https://amboss.podigee.io/archive