Delir: Prophylaxe als Therapie

Philippa von Schönfeld - Donnerstag, 1.4.2021
Ältere Person mit Venenzugang liegt auf einer Krankenliege.

Akut, komplex, hirnorganisch: Das Delir ist oft schwierig zu diagnostizieren – umso wichtiger ist seine Prävention. Wer mögliche Trigger vermeiden will, sollte Risikofaktoren und nicht-pharmakologische Strategien kennen.

Das Delir kennzeichnen Störungen von Bewusstsein, Psychomotorik, kognitiver Funktion und Schlaf-Wach-Rhythmus. Da die Ausprägung der Symptome stark schwankt, kann die Diagnosefindung herausfordernd sein. Alte und Demenzerkrankte sind für ein Delir besonders prädisponiert. Bis zu 40 Prozent aller Krankenhauspatient:innen über 65 Jahre entwickeln ein Delir, am häufigsten im intensivmedizinischen Setting.

Da sich ein Delir nur durch die Beseitigung der Ursache heilen lässt, gilt es, mögliche Auslöser zu vermeiden. Die Ätiologie ist multifaktoriell – alle somatischen und psychischen Stressfaktoren können ein Delir begünstigen.

Einerseits sollte überprüft werden, welche Medikamente eine Person einnimmt, um mögliche Wechselwirkungen und delirantes Potential einzuschätzen. Andererseits ist eine ruhige, strukturierte und beständige Umgebung mit festem Tag- und Nachtrhythmus wichtig. Ein Kalender an der Wand, die Uhr am Handgelenk und die Brille auf der Nase kann Patient:innen dabei helfen, sich zurecht zu finden. Wenn die Behandelnden selten wechseln, fällt die Orientierung ebenfalls leichter; eine frühe Mobilisation stärkt zudem die Selbstständigkeit. All dies erfordert einen interprofessionellen Ansatz. Gelingt es, diese Maßnahmen umzusetzen, kann die Delir-Inzidenz um ein Viertel reduziert und der Schweregrad dennoch auftretender Delire gemindert werden.

Wenn Patient:innen sich oder andere durch die Delirsymptomatik gefährden, kommt ein medikamentöser Ansatz in Betracht. Dass über 70 Prozent der Betroffenen älter als 65 Jahre sind, erschwert dies allerdings: Insbesondere die Gabe typischer Antipsychotika bei Demenz erhöht die Mortalität. Zudem können Benzodiazepine, die als letzte Wahl bei ausgeprägter psychomotorischer Unruhe eingesetzt werden, bei Älteren eine paradoxe Wirkung hervorrufen und die Unruhe noch verstärken. 

Das Delir als akutes, komplexes, hirnorganisches Syndrom birgt viele negative Konsequenzen: längere Krankenhausaufenthalte, schlechtere Behandlungsergebnisse, höhere Kosten für das Gesundheitssystem und eine erhöhte Mortalität. Seine Prävention lohnt sich also.

 

Mehr zur Diagnostik eines Delirs, zu Sonderformen sowie Inhalten zu weiteren organischen psychischen Störungen findet ihr im AMBOSS-Kapitel Organische psychische Störungen unter Delir.

Quellen: DOI 10.1093/ageing/afl005